WHO - Leitlinien Umgebungslärm

Die Welt-Gesundheits-Organisation WHO hat Leitlinien für die Beurteilung von Umgebungslärm veröffentlicht.

Neue Leitlinien für unterschiedliche Lärmarten

Im Oktober 2018 wurden von der WHO überarbeitete Leitlinien für die Bewertung von Umgebungslärm veröffentlicht. Im Vergleich zu den Leitlinien aus dem Jahr 1999 erfolgt eine Unterscheidung der unterschiedlichen Lärmquellen. Neben Straßen-, Schienen- und Fluglärm wurden auch Lärm von Windkraftanlagen sowie Freizeitlärm untersucht.

Bei der Erstellung der Richtlinie wurde eine systematische Bestandsaufnahme aktueller Ergebnisse vorgenommen und die Qualität der wissenschaftlichen Evidenz ausführlich bewertet.

Die Dosis-Wirkungs-Relationen und die daraus abgeleiteten Richtwerte sind Empfehlungen für den Schutz der menschlichen Gesundheit vor Lärm und sollen den Entscheidungsträgern in den EU-Mitgliedstaaten als politische Orientierungshilfe dienen.

 

Eine zentrale Frage der Leitlinien ist, in welchem Zusammenhang die Umgebungslärmbelastung und der Anteil an Menschen mit gesundheitlichen Auswirkungen in der durch Umgebungslärm belasteten Bevölkerung stehen. Als mögliche gesundheitliche Auswirkungen wurden Herz-Kreislauferkrankungen sowie Beeinträchtigungen des Stoffwechsels, kognitive Beeinträchtigung, Hörschäden und Tinnitus, pränatale Beeinträchtigungen und Fehlgeburten sowie Lebensqualität, mentale Gesundheit und Wohlbefinden in Betracht gezogen und aufgrund des umfassenden Gesundheitsverständnisses der WHO auch starke Lärmbelästigung sowie Störungen des Schlafs.

Für die Beschreibung der Lärmbelastung wurden der Tag-Abend-Nachlärmindex Lden sowie der Nachtlärmindex Lnight herangezogen.

Ableitung von Richtwerten

Für die Ableitung der Richtwerte wurden "zumutbare" Risiken definiert. Diese Belastungsgrenzen werden im Einzelnen begründet, sind aber letztendlich Gegenstand einer gesellschaftlich-politischen Entscheidung.

Es zeigt sich für alle Verkehrslärm-Quellen, dass die zumutbare Grenze für starke Belästigung das strengste Kriterium für den Tag-Abend-Nachtlärmpegel darstellt. Es ergeben sich daraus bei der von der WHO getroffenen Annahme von 10 % stark Lärmbelästigten als Empfehlung:

  • 53 dB für den Straßenverkehr
  • 54 dB für den Schienenverkehr
  • 45 dB für Fluglärm

Für die nächtliche Lärmbelastung werden aus der Beeinträchtigung des Schlafes für noch 3 % der Betroffenen abgeleitet die folgenden Richtwerte empfohlen:

  • 45 dB für den Straßenverkehr
  • 44 dB für den Schienenverkehr
  • 40 dB für Fluglärm

 

Die Dosis-Wirkungs-Relationen für starke Belästigung, Schlafstörung und ischämische Herzkrankheiten werden für eine einheitliche Bewertung der gesundheitlichen Auswirkungen durch Lärm in Europa künftig in den Anhang III der Umgebungslärmrichtlinie übernommen.

Im „Akustik Journal“ 02/2019 der DEGA - Deutsche Gesellschaft für Akustik e.V. finden sich mehrere Fachartikel zur Thematik.

Veröffentlicht am 01.07.2019

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